Sonnentor: Freiheit und Wertschätzung


Rote, runde Brille, Sonnen-Shirt und die Lederhose – dafür ist Johannes Gutmann bekannt, und so stand er am 6.2. auch an der Kasse beim Vortrag in Kitzbühel und hat die Besucher per Handschlag begrüßt. Ein Spinner? Ja, das gibt er mit dem Titel seines Vortrags „Vom Spinner zum Winner“  auch selber zu. Aber natürlich im positiven Sinn – gut und anders, authentisch und echt.

Nachdem alle Besucher mit warmem Tee und spezial-gewürztem Popcorn versorgt waren, ging es im Vortragsraum los. Nein, er ist nicht der „Chef“, er ist der Hannes, sagt er und sammelt Fragen aus dem Publikum, die er gerne beantworten will. Seine Präsentation gibt ihm zwar den roten Faden vor, aber es wird viel mehr ein Erzählabend als eine glatte Präsentation. Denn die Wirkung von Geschichten hat Gutmann schon als Kind beim Greisler kennengelernt. Der hat alles mit einer Geschichte verkauft, weil die emotional berühren. Nicht zuletzt deshalb gibt es Gutmann auch in dieser alten Lederhose. Seinen Namen haben seine ersten Kunden am Bauernmarkt im Waldviertel nicht gekannt, aber der Kerl mit der Lederhose blieb im Gedächtnis.

Mit seinem Vater hat Gutmann früher Kräuter gesammelt – im Waldviertel, da wo es keine Autobahn gibt, aber dafür die härtesten, ältesten Gesteine, viel Ruhe und Möglichkeit zur Einkehr in sich – gut, um sich zu er-innern. Nachdem er von 1984-88 als Angestellter keine Wertschätzung erleben durfte, fielen ihm 3 Kräuterbauern auf, die nie gejammert haben. Und schon waren sie zu viert, sie sorgten für die Produkte, Gutmann für den Verkauf. Heute sind daraus 205 Bauern, 70 freie Dienstnehmer, 317 Arbeitsplätze in Österreich und 108 in Tschechien geworden. Man darf nicht begrenzt denken, so Gutmann, denn dann handelt man auch begrenzt.

Die Entstehungsgeschichte des Logos ist seit dem Vortrag auch klar. Sonnentore waren das Zeichen der Freiheit für die Bauern. Damit stand der Name fest, fehlte noch das Logo. Gutmann entwarf eine „Kindersonne“ (die vom Shirt), das aktuelle Logo und eine ähnliche Version mit Zähnen und befragte Marktbesucher nach ihrem Favoriten. 74% der Befragten entschieden sich damals für die Kinderbuchsonne, ganz einfach weil sie vertraut war und der Mensch nun mal ein Gewohnheitstier ist. Das Logo mit den Zähnen gefiel kaum jemanden, und so entschied sich Gutmann für die Variante, die wir heute kennen. Die Familie oder Freunde dürfe man bei solchen Sachen nicht fragen, erklärte er, denn der Markt entscheidet. Wer etwas Neues machen will, muss es formulieren. Ein Leitbild zu erstellen, sei der wichtigste Schritt am Anfang, so Gutmann. Er empfiehlt, neue Wege nach Herz und Bauch zu gehen und nicht zu fragen, sondern in kleinen Schritten weiterzugehen und dranzubleiben. Jeder ist einzigartig und deshalb nicht durch Roboter zu ersetzen.

Bei Sonnentor steht die Wertschätzung ganz oben auf der Liste, ebenso Leben und Leben lassen sowie Freude und Gleichgewicht, mit denen es einem ganz anders geht. Dazu kommt die biologisches Landwirtschaft, die die Zusammenhänge und die Kreislaufwirtschaft beachtet.

Beim Streifzug durch die verschiedenen Sonnentor-Geschäfte fällt auf, dass sich einige ehemalige Manager damit selbständig gemacht haben – wohl auf der Suche nach Sinn und mit dem guten Gefühl, zu einer Vertrauensorganisation zu gehören.

Das geht nicht!“ Den Satz hat Gutmann oft genug gehört und die Erfahrung gemacht, dass es gerade dann geht. Vom grünen Kaffee über Gewürze ohne Salz bis zum Firmensitz in Sprögnitz, der inzwischen zum Besuchermagnet geworden ist, reichen die Beispiele. Auch ein paar Anekdoten mit Ämtern kann er zur Erheiterung einstreuen. In Planung ist ein Permakultur-Garten, der zeigen soll, dass man mit kleinen Strukturen viele Menschen ernähren kann.

Und wie ist das mit dem PVC in den Verpackungen, die zuletzt im Öko-Test 02/17 wieder negativ aufgefallen sind? Die Verpackung frisst der Regenwurm, so Gutmann. Aber es braucht halt 0,003% PVC als Dampfsperre, die problemlos auf dem Kompost verrotten. Er regt sich also über die Tests nicht mehr auf, weil die Fans sowieso treu sind.

Viel zu schnell vergeht die Zeit und schon ist dieser tolle Erzähl-Antworten-Vortrag zu Ende. Schade, aber was bleibt, sind die guten Sonnentor-Produkte, von denen es im Nebenraum noch einige Kostproben gibt. Stimmt, „da wächst die Freude!“