Kneipp-ABC – Wissenswertes über Leben und Lehre, Teil 3

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Hier nun der letzte Teil des Kneipp-ABC von Q bis zu den ebenfalls schwierigen Buchstaben am Ende des Alphabets. Aber für alle gibt es Begriffe, die mit Kneipps Leben und Lehre verbunden sind.

Q » Quark

So nennt man heute in Deutschland das, was in Österreich als Topfen und zu Kneipps Zeit als Toppen-Käse bekannt war. Er ist in der Küche vielseitig verwendbar und wurde auch von Kneipp schon für Kinder und Erwachsene wärmstens empfohlen. Er kannte aber auch noch weitere äußerliche Heilwirkungen des Milchprodukts.

„Wie der Toppen-Käs bei Entzündungen die Hitze nimmt, so ist er auch heilsam bei offenen Geschwüren, wo er nicht bloß die Hitze entfernt, sondern auch die kranken Stoffe auszieht.“ So Kneipp in seinem Buch „So sollt ihr leben!“.

R » Rauchen

Kneipp wurde hier und da mit einer Zigarre gesichtet. Er war also nicht der Asket, der jeglichen Genuss verboten hätte. Das gelegentliche Rauchen von Zigarren begründete er aber mit der Imkerei, denn mit dem Rauch konnte er die Bienen auf Distanz halten. Seine Ansicht zum Rauchen bringt er in „So sollt ihr leben!“ klar zum Ausdruck:

„Erstens wirkt bei einer jungen Natur das Tabakgift (Nikotin) viel stärker und nachteiliger ein als in späteren Jahren. Zweitens wird das Rauchen, wenn es früh begonnen wird, leicht zur Leidenschaft. Nicht selten wird auch die vollkommene Entwicklung dadurch behindert, und Krankheit und Siechtum können leicht bei jungen Leuten entstehen. […]
Das Traurigste aber ist, daß man sich das Rauchen leicht dermaßen angewöhnt, daß man nicht mehr ohne dasselbe sein kann und zum Sklaven des Tabaks wird. […]
Wer gar nicht raucht, tut am besten, weil er seiner Natur keine nachteiligen Stoffe zuführt und zugleich nicht wenig Geld erspart, das er sonst recht gut verwerten kann.“

S » So sollt Ihr leben!

So lautet der Titel seines zweiten Buchs über seine Heilmethoden, das 1889 erschien. Auch wenn es schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel hat, ist es auch heute noch aktuell und gut verwendbar. Kneipp schreibt für das Volk, leicht verständlich und exakt auf den Punkt gebracht.

Im ersten Teil geht es um Luft, Licht, Wärme, Ernährung, Bewegung und Erziehung, hauptsächlich also um die Säulen Lebensordnung und Bewegung. Der zweite Teil beantwortet die Frage: „Wie kann geheilt werden nach den Regeln meiner Erfahrung?“. Diese Liste ist lang und beeindruckend.

Das Kneipp-Museum bietet Leseproben einer historischen Ausgabe, im Buchhandel gibt es aber auch überarbeitete Versionen in der uns vertrauten Schrift und Rechtschreibung.

T » Taulaufen

Morgens auf einer taunassen Wiese laufen war für Kneipp die verstärkte Form des Barfußgehens. Wenige Minuten reichen aus, um die Fußmuskulatur zu trainieren, einen Kältereiz auszuüben und ätherische Öle aus den Gräsern und Kräutern auf die Haut wirken zu lassen. Wichtig ist, durch Socken und Bewegung danach für ausreichend Wärme zu sorgen.

Tautreten war neben Wassertreten im Bach zu Kneipps Zeit auch bei den Damen sehr beliebt, allerdings alles andere als üblich. Das ging so weit, dass Wörishofen zeitweise sogar als „sündiges Dorf“ verschrien war, weil die Damen so viel nackte Haut zeigten.

U » Uneigennützigkeit

Das war Kneipps wichtigstes Motiv für seine Heiltätigkeit. Er war in Armut aufgewachsen und wusste, dass die einfachen Bürger kein Geld für eine medizinische Versorgung hatten. So nahm er von Dienstboten kein Geld mit der Begründung, dass er selber einer gewesen ist. Wer Geld hatte, zahlte für die Behandlung, machte Kneipp persönlich aber damit nicht reich. Denn alle Gelder, die er mit seinen Behandlungen, Büchern und Vortragsreisen einnahm, behielt er nicht für sich.

Er wollte einfach helfen und hat deshalb alle Einnahmen in Stiftungen fließen lassen. Damit gelang der Aufbau von drei Einrichtungen in Bad Wörishofen:

Das Sebastianeums, einst Kurklinik für Priester, heute Kurhotel
Das Kneippianum, das als Krankenhaus für Lupuskranke damals nicht genehmigt wurde, und heute eine moderne Kurklinik ist.
Die Kneipp’sche Kinderheilstätte, heute Familien-& Kind-Haus.kneipp-kinderheilstätte

Auch die Renovierung seiner Pfarrkirche zahlte Kneipp aus seinen Einnahmen.

V » Vorerwärmung

Sie ist vor jeder Anwendung mit kaltem Wasser eine ganz wichtige Pflicht. Wer friert, gehört nicht ins Kneippbecken, sondern soll sich erst durch Bewegung aufwärmen.

Auch nach der Wasseranwendung muss durch Bewegung oder – vor allem bei Waschungen – Bettwärme dafür gesorgt werden, dass die gekühlten Körperteile schnell wieder durch den angeregten Blutkreislauf gewärmt werden.

W » Weberbastl

Das war der Beiname des jungen Sebastian Kneipp, dem Sohn eines Leinenwebers. Schon als Kind, mit 11 Jahren, musste er am Webstuhl mitarbeiten, um das Überleben der Familie sichern zu helfen. So wusste er aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, ohne Tageslicht und bei schlechter Luft arbeiten zu müssen.

Immerhin waren zu seiner Zeit viele Weber auf dem Land im Sommer auf den Feldern tätig, was sich positiv auf ihre Gesundheit auswirkte. Trotzdem führte er seine Lungentuberkulose auf die Feuchtigkeit im Weberkeller zurück.

Sein Wanderbuch bezeichnete ihn auch mit über 20 Jahren als Weber. Im Buch seines Herzens aber stand es anders geschrieben, was er mit viel Energie und Zielstrebigkeit trotz unzähliger Hindernisse und Rückschläge ja auch tatsächlich in die Tat umsetzen konnte.

X » Xaver

Xaver Kneipp hatte mit zwei Frauen 5 Kinder, von denen Sebastian Anton der einzige Sohn war. Er war zwar ein armer Weber, aber dennoch ein warmherziger Mensch, der sich in der Kirche gut auskannte. So fand Sohn Sebastian selbst nach seinem Theologiestudium noch Fragen, die er selber nicht, wohl aber sein Vater beantworten konnte.

Ein weiterer Xaver in Kneipps Leben war Dr. Franz Xaver Kleinschrod, sein ärztlicher Mitarbeiter. Er ordnete 1921 die einzelnen Elemente der Kneipp’schen Gesundheitslehre systematisch und nach naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten. Er erstellte daraus 3 Säulen mit 1.) Abhärtung und Arbeit, 2.) der richtigen Ernährung und 3.) der richtigen geistig-seelischen Einwirkung auf den Leib.

Y » in Pyramide

Ein schwieriger Buchstabe….

Dr. Josef H. Kaiser, auf den die heute verwendeten 5 Säulen zurückgehen, berichtet in seinem „Das große Kneippbuch“: „Vor kurzem nun hat eine ganzen Gesellschaft ägyptischer Kneippianer die große Pyramide erstiegen und über dem Grab des Königs Cheops auf Vater Kneipp ein Hoch ausgebracht.“
„I moin, es gait etz vorwärts mit der Wasserkur!“, soll Kneipp daraufhin gesagt haben.

Z » Zeit

150-jahre-kneippPasst Kneipps Lehre noch in die heutige Zeit? Ja, auf jeden Fall. In Bad Wörishofen hängen dazu Schilder mit dem sinnigen Spruch „Seit mehr als 150 Jahren aktuell“. Kneipps Lehre ist ein klassisches Naturheilverfahren, das eine sehr lange Tradition vorweisen kann. Die Wirkungen sind wissenschaftlich bestätigt und durch verschiedene Studien glaubhaft anerkannt.

Naturheilverfahren können von den Patienten ohne aufwendige Apparate selber angewendet werden. Auch Laien lernen also schnell, wie sie sich zu Hause einen Guss verabreichen oder wie sie eine Kneippanlage richtig nutzen können – um nur 2 Beispiele zu nennen. Der Patient oder Vorbeugewillige muss allerdings bereit sein, mitzumachen.

Und wie steht es da mit der Zeit? Bestens, denn jede kalte Wasseranwendung verbraucht kaum Zeit. Je kälter das Wasser, desto kürzer ist auch die Dauer der Anwendung. Wenige Sekunden bis Minuten reichen aus, das Ganze 2-3 Mal pro Tag, um gesund zu werden oder gleich zu bleiben.

Wer vor allem chronische Beschwerden mit Arzneimittel aus Heilkräutern behandeln möchte, muss diesen allerdings etwas mehr Zeit als einem chemischen Medikament geben. Durchschnittlich 8 Tage kann es beispielsweise dauern, bis Baldrian beim Einschlafen hilft.