Kneipp-ABC – Wissenswertes über Leben und Lehre, Teil 1

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Kennen Sie Pfarrer Kneipp, sein Leben und sein Gesundheitskonzept im Detail? Egal ob Ihre Antwort Ja, Jein oder Nein lautet, das Kneipp-ABC, das in einer Serie aus mehreren Beiträgen veröffentlicht wird, bietet für jeden etwas Interessantes.

A » Auflösen, Ausleiten, Ausscheiden

Diese drei Eigenschaften des Wassers hat Kneipp vor allem bei Kranken genutzt. Die Stoffe, die eine Krankheit verursachen, werden im Blut aufgelöst und anschließend ausgeschieden.

Für Gesunde stellt Kneipp die Abhärtung in den Vordergrund, damit sich Krankheiten erst gar nicht ausbreiten. Die Wasseranwendungen bringen den Blutkreislauf in Schwung und haben viele positive Wirkungen. Dabei dauert jede Anwendung mit frischem Wasser nur wenige Minuten.

B » Bad Wörishofen

Bad Wörishofen, der Kurort im Allgäu, ist untrennbar mit Kneipp verbunden. Das Prädikat „Bad“ wurde allerdings erst 1920, also lange nach Kneipps Tod, verliehen.

1855 kam Sebastian Kneipp nach Wörishofen und erkannte den Ort mit den beiden Türmen gleich wieder – er war ihm nämlich eines Nachts im Traum erschienen. Einer der Türme gehörte zum Dominikanerinnen-Kloster, an dem er als Beichtvater für Seelsorge tätig wurde. Gleich neben dem Kloster stand der Turm der Kirche St. Justina. Bis er dort Pfarrer werden konnte, musste er allerdings bis 1881 warten.
Kneipp prägte nicht nur das klösterliche und kirchliche Leben, sondern baute als erstes die Landwirtschaft des Klosters wieder auf. Ebenso behandelte er Kranke mit Wasser und Kräutern und bescherte Wörishofen damit Gäste aus aller Welt.

Auch heute begnet man Kneipp in Bad Wörishofen auf Schritt und Tritt. Mitten im Ortskern steht das Denkmal, dazu kommen etliche Kneipp-Anlagen, ein großer Kurpark u.a. mit Barfußweg und Kräutergarten, ein Kneipp-Wanderweg, verschiedene historische Gebäude, das Kneipp-Museum sowie der Deutsche Kneipp-Bund mit der Sebastian Kneipp-Akademie. Einige Impressionen gibt es in der Bildergalerie zu Kneipps Leben.

Wer noch kein Kneipp-Anhänger ist, wird es nach einem Besuch in Bad Wörishofen ganz bestimmt!

C » Cholera-Kaplan

Diesen Beinamen verdiente sich Kneipp während der Cholera-Epidemie, die 1854 in Boos wütete, wo er als Kaplan tätig war. Seine Gegner hatten vorher erwirkt, dass Kneipp die Behandlung Kranker unterlässt. Aber nachdem sein Vater an der Cholera verstorben war, konnte er nicht anders und wurde wieder aktiv. So gelang es ihm, 42 Menschen mit Wickeln aus Essigwasser und Milch mit Fenchel das Leben zu retten.

Angriffe von Ärzten und Apotheker gab es daraufhin nicht mehr…

D » Dämpfe

Dämpfe können von Kopf bis Fuß für einzelne Körperbereiche oder auch für den gesamten Körper eingesetzt werden. Der Wasserdampf wirkt schweißtreibend und regt die Hauttätigkeit an. Vorsicht ist mit dem heißen Wasser und der damit verbundenen Verbrühungsgefahr allerdings geboten.

Dämpfe sollten nicht zu oft angewendet werden, weil ihre Wärme eher zur Verweichlichung denn zur Abhärtung beiträgt.

E » Erfolge

Die hat Kneipp mit seinen Anwendungen ohne Zweifel erreicht, auch wenn ihm genau das etliche Gegner nicht zugestehen wollten. Rund 60.000 Menschen hat er mit Wasser und Kräutern geheilt und Ordnung in ihre Leben gebracht. Neben den Armen, die ihm besonders am Herzen lagen, behandelte er auch etliche bekannte Persönlichkeiten aus aller Welt wie Papst Leo XIII, Erzherzog Joseph von Österreich, Baron Rothschild oder den Maharadscha.

Die Besserung auch bei organischen Erkrankungen waren beeindruckend. Ein wichtiger Erfolgsfaktor war Kneipps gute Beobachtung der Reaktion der Patienten und das Wissen über Heilkräuter, das er von seiner Mutter gelernt hatte. Deren Wirksamkeit und die Tatsache, dass der Verlauf seiner Güsse den Meridianen folgt, wurde von der Wissenschaft inzwischen zweifelsfrei bestätigt.

F » Füsse

fuesseDie Füße spielen bei Kneipp eine wichtige Rolle bei der Abhärtung. Am liebsten sah er sie ohne Schuhe, weil das die Sinne besonders anregt. Barfuß laufen regt den Kreislauf an und steigert die Körperwärme. Man kann damit zunächst in der Wohnung beginnen, sich dann aber zum Taulaufen ins feuchte Gras wagen oder nasse Steine oder gar Schnee unter die Fußsohlen nehmen.

„Der Jugend kann nichts mehr empfohlen werden, als die Abhärtung durch Barfußgehen im Garten, im Freien, auf nassen Steinen und selbst auf dem Zimmerboden. Eine gute Abhärtung ist es schon, am Abend vor dem Schlafengehen ¼ Stunde auf dem Zimmerboden barfuß zu gehen. Wie am Abend, so kann es auch in der Frühe geschehen. Ich bin überzeugt, solche, welche dies tun, werden nicht leicht oder gar nie Fußschweiß bekommen, weil der ganze Organismus dadurch abgehärtet wird und besonders die Füße.“ (aus „So sollt ihr leben!“)

Im Kurpark von Bad Wörishofen führt ein Barfußweg über mehrere Kilometer und ganz unterschiedliche Untergründe.

G » Güsse

Sie zählen zu den wirksamsten Anwendungen, die auch am einfachsten anzuwenden sind. Sie werden immer mit kaltem Wasser durchgeführt und sorgen für einen thermischen Reiz. Kneipp begann seine Güsse mit der Giesskanne nachdem er einen Gärtner beobachtet hatte. Was den Blumen gut tut, kann doch auch dem Menschen nutzen, dachte er.

Erst mit Ludwig Geromiller, Kneipps technischem Berater, zogen Gießeinrichtungen mit Schlauch und Handpumpe in die Wasserheilanstalten ein.

Ein dicker, gleichmäßig fliessender Wasserstrahl soll die jeweiligen Körperteile einhüllen, bevor das Wasser abgestreift und der Körper durch Bewegung wieder erwärmt wird.

H » Hahn

Hier ist nicht das Tier und auch nur im übertragenen Sinn der Wasserhahn gemeint. Es geht um Dr. Johann Siegmund Hahn. Ohne ihn wäre Sebastian Kneipp sehr wahrscheinlich noch während seines Studiums der Lungentuberkulose erlegen. Zum Glück jedoch stiess Kneipp auf Hahns Buch „Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen, besonders der Krancken, bey dessen innerlichen und äußerlichen Gebrauchs, welches aus deutlichen durch die Erfahrung bestätigten Vernunfft-Gründen ertheilet Johann Siegemund Hahn, Philosophiae et Medicinae Coctor und Practicus in Schweidnitz“. Ein Strohhalm wurde zum Rettungsanker.

Mit Halbbädern in der kalten Donau griff Kneipp Hahns Ratschläge auf, probierte und experimentierte und wurde dadurch tatsächlich wieder gesund. Auch einigen Mitstudenten konnte er mit Wasser heilen. Dabei milderte er Hahns Vorschriften immer weiter ab, weil er sie für zu hart für die breite Masse befand.