Zum Haydn – beim „Papa“ in Wien

Haydn-Haus

90 Jahre nach Haydns Tod wurde in dem Wiener Haus, in dem der Komponist seine letzten 12 Lebensjahre von 1797 bis 1809 verbracht hat, die Haydn-Gedenkstätte eröffnet. Noch heute kann man in Haydns Zeit eintauchen und an seinem Leben teilhaben.


Haydn-KopfHaydn war ein musikalischer Revolutionär, der als erster das große Potenzial von Symphonie und Streichquartett erkannte. Das ist die bedeutsamste Erkenntnis, die ich über Haydn mitgenommen habe. Aber es gibt noch mehr über ihn zu berichten. Wer auch die Exponate dazu sehen möchte, der sollte sich  auf den Weg nach Wien machen.

Stationen
Haydns Leben begann 1732 in Rohrau in Niederösterreich. Als Chorknabe entdeckte er sein musikalisches Talent, das er in Selbststudium und Lehre verfeinerte. Von 1758 bis 61 war er Musikdirektor des Grafen Morzin, anschließend Kapellmeister bei den Fürsten Esterházy. Dieser Zeit sind viele seiner Werke zu verdanken. Fürst Nikolaus I hinterließ allerdings einen Schuldenberg, so dass das Opern- und Orchesterpersonal ohne Bezahlung entlassen werden musste. Einzig Haydn erhielt 1.000 Gulden Jahrespension.
Haydn verließ die Heimat und ging nach London. Sein junger Freund Mozart hatte zwar Bedenken, aber Haydn war sicher:

”Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt.”

Er sollte Recht behalten, wurde zum Liebling des englischen Hofes und kehrte selbstbewusst und berühmt nach Wien zurück.

Wien zu Haydns Zeit
Haydn-HausVon seinem Haus bis zum Stephandom brauchte Haydn 1 Stunde und zahlte für den Fiaker 1 Gulden, was etwa 25 Euro entspricht. Heute schafft man die Strecke mit der U-Bahn und zu Fuß leicht in 20 Minuten und zahlt 3,40 Euro. Haydn wohnte in Gumpendorf ländlich in der äußersten Vorstadt. Heute ist es ein innerstädtischer Bezirk unweit der großen Mariahilfer-Einkaufsstraße.
In Haydns Zeit war Wien aber auch zwei Mal von Napoleon besetzt, von der Inflation und sozialen Unruhen erschüttert. Das wirkte sich auch auf die Musik aus, denn der Adel konnte sich um die Jahrhundertwende seine Hauskapellen nicht mehr leisten. Bürgerlich-musikalische Institutionen entstanden nur langsam, und die Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde 1812 erlebte Haydn nicht mehr.

Begleiter
Haydn-Haus ExponatHaydns Ehe mit Maria Anna war kinderlos und auch nicht besonders innig. Beide wohnten zwar zusammen, gingen sich aber aus dem Weg, da Maria Anna nicht an Musik interessiert war. Nach dem Tod seiner Frau und auch seiner Geschwister bildeten der Diener und Notenkopist Johann Elßler und die Köchin Anna Kremniter Haydns Familie, wofür sich Haydn in seinem Testament erkenntlich zeigte. Beiden vermachte er mehr als alle anderen 16 Verwandten zusammen. Neben 6.000 Gulden erhielt Elßler auch noch ein Beinkleid, einen Mantel, Hut und ein glattes Kleid samt Weste.
Von den bekannten Komponisten war Beethoven Haydns Schüler und Brahms sein Bewunderer. Beethoven hat später allerdings auch den Verdacht geäußert, Haydn hätte manche Manuskripte zwei Mal verkauft.

Wiener Kompositionen
Hier ist an erster Stelle “Gott erhalte Franz den Kaiser” zu nennen. Die Kaiserhymne und heutige deutsche Nationalhymne entstand im Februar 1797.
“Die Schöpfung” entstand ebenfalls in Wien und wird als herausragendes Alterswerk bezeichnet. Das biblische Oratorium hat Haydn 1799 in 2 Privataufführungen selber dirigiert. Im Programmzettel bittet er darum, erst am Ende zu klatschen, um die Wirkung des Ganzen nicht zu zerstören.
Auch “Die Jahreszeiten” komponierte Haydn in Wien. Es war die irdische Fortsetzung der im Paradies endenden Schöpfung mit Hanne und Lucas als bäuerlichem Liebespaar.

Tagesablauf
Schon morgens beim Ankleiden ließ sich Haydn von seinen Schülern vorspielen. Der Vormittag verbrachte er ansonsten am Klavier, wo er komponierte und so lange improvisierte, bis er zufrieden war. Der Nachmittag war dafür da, die Werke in die Partitur umzuarbeiten.

Stuhl im Haydn-HausDas Ende
Bei “Die Jahreszeiten” machte sich am Ende schon körperliche Überforderung bemerkbar. Auch Gedächtnisprobleme stellten sich ein, die Haydn offen zugab.

“Hin ist alle meine Kraft, alt und schwach bin ich.”

stand auf den Visitenkarten zu lesen, die er verschickte, wenn er Einladungen außer Haus nicht mehr wahrnehmen konnte. Am 31.5.1809 starb er an Entkräftung während der französischen Invasion im damals sehr hohen Alter von 77 Jahren.
Durch den Beinamen “Papa Haydn”, den ihm berühmte Komponisten gaben, entstand ein biederes Image – besonders im Vergleich zu Mozart. Tatsächlich war Haydn aber eine widersprüchliche, facettenreiche und offene Persönlichkeit und bewies im Alter einen unverwechselbaren Humor.
Posthum brach sogar eine wahre Haydn-Mania aus, die dazu führte, dass sein Kopf aus dem Grab gestohlen wurde.
Unvollendet blieben viele Ideen und Großprojekte, in denen u.a. Texte von Goethe und Wieland hätten einfließen sollen.