Der etwas andere Fahrkartenautomat der NOB


Nachdem die Deutsche Bahn immer mehr Nahverkehrsstrecken an private Eisenbahngesellschaften übergeben hat, verändert sich auch das Bild bei den Fahrkartenautomaten auf den Bahnhöfen. Dort, wo die Züge mehrerer Bahngesellschaften Fahrgäste zusteigen lassen, hält die Automatenvermehrung Einzug. Im norddeutschen Heide stehen gleich drei Automaten nebeneinander. Platzverschwendung? Verwirrend? Vielleicht. Langweilig? Nein, hier nicht, denn hier gibt es was zu sehen!

automaten

Der Automat der NOB springt aus der Anonymität hervor und „spricht“ quasi mit den Bahnfahrern. Ich bin an diesem Bahnsteig nur umgestiegen und habe gar keine Fahrkarte gebraucht, war aber von dem originellen Spruch gleich begeistert. Und so habe ich mir den Automaten mal näher angesehen und noch viel mehr tolle Dinge entdeckt.

Auch auf der freien Seite geht die Kommunikation mit einem lustig-freundlichen Wegweiser weiter:

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Nudging fällt mir ein, wenn ich mir diese beiden Seiten ansehe. Es ist ein zartes Anstupsen oder Erinnern daran, dass man den nur Zug mit einer gültigen Fahrkarte besteigen sollte. Für ehrliche Menschen ist das sowieso logisch, aber es gibt ja auch schwarze Schafe. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Automat eher seine Wirkung entfaltet als die Schilder in den Zügen, die mit Strafen für erwischte Schwarzfahrer drohen. Und der Automat hat mir jedes Mal, wenn ich ihn gesehen habe, ein Lächeln auf die Lippen gezaubert – was die Straf-Schilder noch nie geschafft haben.

Auch auf der Vorderseite setzt die Nord-Ostseebahn die eingeschlagene Strategie fort und erleichtert den Kauf der Fahrkarte bzw. macht ihn zu einem besonderen Erlebnis. Die einzelnen Bedienelemente sind locker-flockig beschriftet, so dass wohl keine Frage offen bleiben dürfte.
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Dass der Umgang mit Fahrkartenautomaten nicht für jeden ein Kinderspiel ist, habe ich mehrfach erlebt, als ich am Bahnsteig um Hilfe beim Fahrkartenkauf gebeten wurde. Ob tatsächlich jemand auf die Idee kommen würde, einen gefalteten Geldschein in den Münzschlitz stopfen zu wollen, sei dahingestellt. Aber die Pfeile und die kurzen Anweisungen erleichtern die Zahlung sicher.

Wo kommt denn die Fahrkarte raus? Na klar, da wo „Achtung, Fahrschein fällt!“ steht. Nach dem ersten Mal weiß man das, aber jeder hat irgendwann sein erstes Mal mit einem Fahrscheinautomaten – oder mit den speziellen Gewohnheiten eines deutschen Automaten? Und selbst der x-te Kauf wird mit diesem Spruch zu etwas Besonderem, finde ich.

Last but not least zeigt sich die NOB kundenfreundlich, indem sie zugesteht, dass es Probleme mit dem Automaten geben kann. „Die beste Nummer bei Automatenkummer“ lässt offen, worin der Kummer besteht, ob der Automat nicht funktioniert oder der Käufer aus welchem Grund auch immer nicht damit klarkommt. Das Sahnehäubchen wäre natürlich eine kostenlose Hotline, denn innerhalb der ersten kostenfreien 30 Sekunden wird man wohl höchstens eine Feststellung loswerden, nicht aber auf eine Antwort warten können. Aber immerhin sind die entstehenden Kosten klar angegeben.

Alles in allem ein tolles Beispiel, wie ein Alltagsgegenstand mit nur kleinen Änderungen aus der Masse hervorgehoben werden kann. Zur Nachahmung empfohlen, kann ich nur sagen.