Beethoven, seine Schwerhörigkeit und das Hören im Allgemeinen

Beethoven

Schon mit 25 Jahren traten bei Ludwig van Beethoven erste Symptome eines Gehörleidens auf. Ausgerechnet bei ihm, dem Komponisten, der ja so sehr auf sein Gehör angewiesen ist! Wie ging das bei Beethoven weiter? Und wie funktioniert das überhaupt mit dem Hören? Auf diese Fragen gibt es im Untergeschoss des Beethoven-Hauses in Baden einige Antworten.

BeethovenBeginnen wir mit Beethoven. Seine Schwerhörigkeit wird ja häufig thematisiert, weil sie ihn auch wirklich beeinträchtigt hat. An den Ergebnissen seiner Schaffenskraft war es weniger abzulesen, aber der Mensch Beethoven hat stark darunter gelitten. Die wirkliche Ursache wird nie ans Tageslicht kommen. Kandidaten sind eine Bleivergiftung, andauerndes Fieber oder eine nicht ausgeheilte Innenohrerkrankung.

Als Beethoven 26 Jahre alt war, ereilte ihn ein Tinnitus. Mit 31 wurden die Hörprobleme schlimmer und führten ein Jahr später sogar zu einer Depression, da schon ein Hörverlust von 60% vorlag. In seinem Heiligenstädter Testament schrieb er sich seine ganze Qual von der Seele und konnte seine kompositorische Stärke anschließend in Eroica, Fidelio und verschiedenen Sonaten wieder unter Beweis stellen.

1812, mit 42, waren Gespräche mit ihm nur möglich, wenn geschrien wurde. Sechs Jahre später fand Kommunikation mit ihm nur noch schriftlich statt. Ein Ohr war völlig taub, das andere fast. Sein Brot als Künstler, den Applaus, konnte er ebenfalls nicht mehr hören. Aber er behalf sich damit, ihn zu sehen!

Da er mit dem Hören hoher Töne Schwierigkeiten hatte, komponierte er auch verstärkt im mittleren Frequenzbereich. In seinen letzten Werken allerdings tauchten wieder mehr hohe Töne auf, weil er sein inneres Ohr verwendete. Insgesamt soll Beethovens Taubheit seine Kreativität begünstigt haben. Die zwar unfreiwillige Isolation hat ihm eine innere Tonweltschau ermöglicht und visionäre Fähigkeiten hervorgerufen.

Und nun weiter zur praktischen Theorie des Klanges aus dem Beethoven-Haus in Baden.
Schall wird dort als eine wellenförmige Druckveränderung in elastischen Medien beschrieben. Ein Knall ist eine sehr kurze, schnelle Druckveränderung. Ein Geräusch hat einen unregelmäßigen Frequenzverlauf, während es beim Ton zu einer regelmäßigen, gleichförmigen Schallausbreitung kommt. Von einem Klang spricht man, wenn sich mehrere Töne mit mehr oder weniger ganzzahligen Frequenzverhältnissen überlagern.

Streich- und Blasinstrumente unterscheiden sich hinsichtlich der Tonerzeugung. So führt die Bewegung einer Saite zu einem Sägezahnmuster, während die Vibration der Lippen oder des Rohrblatts bei den Blasinstrumenten ein Rechteckmuster erzeugt. Auch was die Variation der Tonhöhe angeht, unterscheiden sich Streicher und Bläser – zwangsläufig. Streicher steuern die Tonhöhe durch Verkürzung der Saite, Bläser durch Verkürzung der Luftsäule. Holzbläser öffnen oder schließen Tonlöcher und Klappen, während Blechbläser die Luft über die Ventile durch mehr oder weniger Windungen des Instruments schicken.

Ein interessantes Hörexperiment im Museum zeigt die Phasen eines Klangs. Was wir üblicherweise als ein Gebilde betrachten, besteht in Wahrheit aus 4 Phasen. Der Klang beginnt mit dem Anfangsimpuls. Das sind die wenigen Millisekunden, in denen der Schlegel auf die Pauke prallt, der Hammer auf die Klaviersaite oder der Luftstoß am Mundstück ankommt. Darauf folgt der Einschwingvorgang, während dessen die Impuls- und Schwingungsenergie versuchen, ein Gleichgewicht zu finden.
Die dritte Phase ist durch die stationäre Schwingung gekennzeichnet. Die Teilchen des Trägermediums wollen in ihren Ursprungszustand, die gleichförmige Schwingung, zurückkehren. Während des abschließenden Ausschwingvorgangs verebbt die Schwingung dann.

Das sind nur ein paar Erkenntnisse aus dem Beethoven-Haus. Die ganzen Experimente zum Hören und Sehen kann man natürlich nur dort durchführen. Also ab nach Baden – es lohnt sich!