Was Bäume alles können – Erwin Thoma weiß es


Erwin Thoma mag Bäume. Deshalb baut er Häuser, die zu 100% aus Holz bestehen. Deshalb schreibt er Bücher, um sein Wissen über die Bäume weiterzugeben. Deshalb hält er Vorträge, um seine Begeisterung zu teilen und Gleichgesinnte zu finden.

Seit ich zwei seiner Bücher gelesen habe und ihn live erleben durfte, gehe auch ich mit ganz anderen Augen durch den Wald, berühre manche Bäume und denke voller Ehrfurcht an all das, was laut Thoma so im Baum und in der Erde passiert.Wieder zu Hause freue ich mich, dass mich ein gutes Bauchgefühl schon viel früher dazu veranlasst hat, meine Wohnung mit einem Naturholzboden und Vollholzmöbeln auszustatten. Wie schön war es auch nach dem Urlaub im „Plastikzimmer“ wieder im Holzzimmer schlafen zu können! Warum das? Weil Erwin Thoma und Prof. Maximilian Moser von der Uni Graz nun auch wissenschaftlich nachgewiesen haben, dass das Schlafen im Vollholzzimmer erholsamer ist. In einer Nacht wird eine Stunde Herzarbeit gespart verglichen mit dem, was im Zimmer mit Laminatboden und Spanplattenmöbeln passiert.

Erwin Thoma hat dafür eine einfache Erklärung:  Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklung immer positive Erfahrungen mit Bäumen gemacht. Als er noch von wilden Tieren bedroht war, kletterte er auf einen Baum und war in Sicherheit. Aus Holz hat er sich die ersten Werkzeuge und Behausungen gebaut, und dies bis heute verfeinert. Wer sich mit Holz umgibt, braucht also nichts zu befürchten und kann sich entspannen.

wald-sonne

Andere Werkstoffe oder verklebtes Holz sondern hingegen Moleküle aus, die den Körper in Alarmbereitschaft halten. Der Mensch kann nie völlig entspannen, weil er nie weiß, was auf ihn zukommt. Das gilt übrigens nicht nur für den Schlaf, sondern auch für das Lernen oder Arbeiten. Schulklassen, die ein ganzes Schuljahr in einem Vollholzraum lernen durften, waren am Ende des Schuljahres sogar noch leistungsfähiger als am Anfang des Versuchs und natürlich um einiges entspannter als die Vergleichsklasse im „normalen“ Klassenzimmer.

Dass Bäume weit mehr können als nur stumm im Wald zu stehen, weiss Thoma schon lange. Er kennt viele Krankheiten bei Mensch und Tier, die mit Lärchenpech, also Harz, geheilt werden konnten. Allerdings musste er viel Geduld und Stehvermögen aufbringen, bis er mit seinen Erkenntnissen Gehör fand. Viele Jahre wurde er geächtet, aber inzwischen ist er glücklicherweise anerkannt und gefragter Referent zum Thema Holz.

Die Natur wäre auch ein ausgezeichneter Lehrmeister für unsere gesellschaftlichen Probleme. Was machen die Ameisen, fragt er im Vortrag. Sie produzieren keinen Abfall und sie schädigen keine andere Lebewesen. Was aber tut der Mensch? Das Gegenteil, und er beschäftigt auch noch Berater, die Unternehmen raten, Produkte mit einer begrenzten Lebensdauer herzustellen, um die Neukaufsrate zu steigern.

kastanieWettbewerb, der für die Menschen unerlässlich zu sein scheint,  gibt es im Wald nur für eine kurze Zeit. Natürlich kann nicht aus jeder Buchecker, Eichel oder Kastanie, die im Herbst auf den Boden fällt, ein Baum werden. Also wird kurzzeitig um Raum und Licht gekämpft. Sobald die Positionen aber geklärt sind, kooperieren alle Bäume. Sie kommunizieren über das unterirdische „Wald-Internet“ aus Pilzfäden. Wird ein Baum vom Borkenkäfer befallen, informiert er die anderen Bäume, damit sich diese schützen können.

Bäume sind auch Experten der Nischenstrategie. Eine Baumart hat sich auf feuchte, die andere auf trockene Böden spezialisiert, eine wurzelt tief, die andere flach, eine biegt sich im Wind, die andere bleibt starr. So ergänzen sie sich ohne in sinnlose Konkurrenz zu treten.

Die Menschen können vieles von den Bäumen lernen. Erwin Thoma ist zuversichtlich, dass das auch bald passiert. Denn dass der Eiserne Vorhang so fallen würde, wie er schließlich gefallen ist, war lange Zeit auch völlig unvorstellbar.
Die Menschen müssen sich vor allem davon verabschieden, dass es ewiges Wachstum geben kann. Das gibt es nur bei Krebszellen, die am Ende ihren Wirt zerstören. Die gleiche Aussage ist mir kurze Zeit später auch in der Neurowissenschaft bei Prof. Dr. Dr. Spitzer begegnet. Wenn sie von zwei unterschiedlichen Disziplinen in Österreich und Deutschland vertreten wird, keimt auch bei mir die Hoffnung auf, dass sich bald etwas zum Positiven ändert.

Quellen, auch zum Weiterlesen und Nachhören:

  • Thoma/Moser: „Die sanfte Medizin der Bäume“, Servus Verlag
  • Thoma: „Die geheime Sprache der Bäume“, ecowin Verlag
  • Vortrag von Erwin Thoma am 16.9.14 in St. Johann/Tirol
  • zum Nachhören: Erwin Thoma in Radio Vorarlberg